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Creator College: So wird man mit Comedy erfolgreich bei YouTube

Dan Gatzke

Bereits zum zweiten Mal veranstaltet die YouTube-Produktionsfirma Gatzke Media ein Creator College für Webvideo-Macher*innen – inklusive Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW. Hier ist auch Comedy gefragt. Im Interview erklärt Produzent Dan Gatzke, worauf es bei YouTube ankommt, wie sich damit Geld verdienen lässt und wie man ins Creator College kommt.

Was heißt Comedy im Zusammenhang mit YouTube?
Im besten Fall das gleiche wie in Film, TV oder auf der Bühne, nur mit dem feinen Unterschied, dass weltweit jederzeit das Publikum darauf kostenlos zugreifen kann. Denn YouTube oder generell Social Media hat die Power, Talente in den Comedy-Olymp zu katapultieren. Ein gutes Beispiel dafür ist Carl Josef. Ihr kennt nicht Carl Josef? Der kleine Junge im Rollstuhl bei NightWash. Allein auf dem YouTube Kanal von MySpass 6,5 Millionen Aufrufe.
Sind die Anforderungen an lustige Inhalte bei YouTube andere als zum Beispiel im Fernsehen?
Ja! Ich mach das seit über zehn Jahren und tappe noch immer hier und da in die “TV-Falle”. Man denkt automatisch oft zu groß, zu komplex und am Ende hat man ein Projekt, was sich wirtschaftlich niemals tragen kann und schon zum Start viel zu zeitintensiv ist. Und mit “TV-Falle” meine ich nicht nur den zu hohen Aufwand hinter einem Projekt. Ich meine auch die – und gleich regen sich die ersten Fernsehleute auf – Arroganz zu glauben, dass das eigene Produkt oder in dem Fall den eigenen Content jeder sehen will. Im Web konkurriert man nicht nur mit ein paar Sendeplätzen, sondern mit Milliarden Videos. Algorithmen und die große Masse bestimmt, was erfolgreich wird. Dem sollte man sich bewusst sein bevor man startet.
Wenn ich mit einem eigenen Kanal erfolgreich sein will, braucht es ja bestimmt mehr, als ab und an ein Video mit einem Stand Up von mir? Was braucht es mindestens, um einen Kanal dauerhaft zum Erfolg zu bringen?
Erstmal Talent. Das eigene sollte man nicht von den Mama und Papa beglaubigen lassen, sondern von unabhängigen Menschen… im Idealfall seinem Schwiegervater in Spe. Denn der hasst dich, weil du seine kleine Prinzessin neulich im Kinderzimmer nebenan so laut gebumst hast, dass sein bester Kumpel zwei Häuser weiter ihn am nächsten Morgen darauf angesprochen hat. Wenn der über deinen Witz lacht, dann… dann hast du Talent! Und wenn du Talent hast, dann gebe ich noch ein kleines YouTube-Rezept für zuhause mit auf den Weg. Das ist zwar noch lange nichts für die Sterneküche, aber für die erste kleine Imbissbude ein solider Plan:
  1. Thumbnail und Titel müssen verdammt gut sein. Dein Video muss wie die geilste Bordellreklame der Welt funkeln und schon bei der Suche und der “Klick-Entscheidung” auf sich aufmerksam machen.
  2. Starte dein Video mit einem Knall. Wenn du die Leute nicht in den ersten 5 Sekunden begeisterst, schalten sie weg.
  3. Lade regelmäßig, am besten wöchentlich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit hoch.
  4. Länge ist gut, aber nur solange sich ein Video trägt. Also langweile die Leute nicht. Denn Zuschauerbindung ist alles!
  5. Deshalb: Verkack das Ende nicht. Sag am Ende nicht 2 Minuten lang, dass das Video vorbei ist. Fass dich kurz und push mit einem ShoutOut deine anderen Social-Media-Präsenzen und Videos.
Neben der Reichweite weckt YouTube auch viele Begehrlichkeiten in Sachen Monetarisierung. Wie kann ich mit einem Kanal Geld verdienen?
Am Anfang gar nicht… aber das sollte im Idealfall am Anfang auch nicht die Motivation sein. Fokussiert euch auf das Thema Reichweite und perfektioniert euren Content. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Aber das war nicht die Frage… Im besten Fall reichen die AdSense-Einnahmen von YouTube. Also die Werbeeinnahmen aus den Clips die vor euren Videos laufen, an denen man mitverdient. Dafür müsst ihr ein paar Mindestvoraussetzungen erfüllen. Sobald ihr Reichweite habt, werdet ihr aber auch für potentielle Brands als Werbepartner spannend. Das kann schon ab 50.000 Views pro Video richtig spannend werden. Und dann gibt es noch viele andere kluge Business-Modelle. Die würden hier aber den Rahmen sprengen. Vielleicht machen wir ja mal ein Panel dazu?
Und über welche Größenordnungen reden wir da? Ab welchen Reichweiten lohnt sich das und wie viel Arbeit steckt drin?
Auch das hängt vom Inhalt ab. Wenn dein Content werbefreundlich ist – das entscheidet YouTube und nicht du – dann können Künstler die nicht gerade wie Rockstars leben auch schon mit ca. 1 Millionen Aufrufe pro Monat völlig unabhängig von anderen Jobs über die Runden kommen. Ich arbeite mit Künstlern zusammen bei denen die AdSense Einnahmen in besonders starken Monaten wie November, Dezember, auch mal 30.000 bis 50.000 Euro pro Monat abwerfen. Das ist alles möglich, aber nur mit richtig großer Reichweite. Und auch hier variiert der Arbeitsaufwand. Ich kenne Künstler die 7 Tage die Woche min. 14 Stunden am Tag dafür kämpfen und ich kennen Künstler die nebenbei zwei Stunden pro Tag dafür investieren. Kommt echt drauf an, was für Content ihr produziert.
Jetzt machst du ja zusammen mit der Filmstiftung NRW in diesem Jahr zum zweiten Mal das Creator College. Was genau ist das?
Das CCNRW ist ein Förderprojekt von meiner Firma, der GATZKE.MEDIA. Wir sind ein Full Service Content Creator und suchen jedes Jahr neun Teilnehmer*Innen oder auch neun Zweier-Teams, die wir in einem fünftägigen Bootcamp und einer fünfmonatigen Aufbauphase an fünf weiteren Tagen in Köln fördern. Bei uns lernt man alles, was man als Webvideo-Creator benötigt, um erfolgreich zu lernen. Außer Talent, das müssen die Bewerber dann natürlich selbst mitbringen. In spannenden Workshops, Panels und Seminaren stehen erfahrende Webvideo Creator*Innen wie Jonas Ems, Pocket Hazel, Joey’s Jungle, Tomatolix, Lisa Küppers und viele mehr als Mentor*innen mit Rat und Tat zur Seite. Das Projekt ist von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert, die wiederum auch alle Teilnehmer*innen unter bestimmten Voraussetzungen mit 6.000 Euro fördert. Alle Details dazu findet ihr auf der Webseite.
Und wer sollte sich dafür bewerben?
Du bist wohnhaft in Deutschland? Du bist mindestens 18 Jahre alt? Dein YouTube-Kanal hat über 1.000 Abonnenten und in den letzten drei Monaten hast du mindestens drei Videos veröffentlicht? Wenn du jetzt noch in einem 2-minütigen Video erklären kannst, wieso gerade du am College angenommen werden solltest und wie deine Pläne für deine Webvideo-Zukunft der nächsten zwei Jahre sind, dann solltest du dich bewerben. Wir möchten hier keine Schranken setzen. Jeder der Talent hat, egal ob aus den Genres Food, Comedy, Education, Travel, Film, usw. sollte sich bewerben, wenn er ernsthaft als Webvideo-Creator durchstarten möchte. Das ist die Zielgruppe: “Jeder, der als Webvideo-Creator erfolgreich/er werden möchte”.
Wie sind eure Erfahrungen aus dem ersten Jahrgang?
Es war gigantisch! Das war mit Abstand das schönste Projekt meines Lebens und wir haben wirklich coole Leute kennengelernt. Zugegeben, nicht jeder schafft es am Ende auch zum Webvideo-Star, weil natürlich auch noch eine Prise Glück dazu gehört. Aber einige unserer Talente haben wirklich gut Schlagzeilen gemacht. Dr. Flojo ist mit ihrem Medizin-Kanal für eine Staffel bei funk gelandet. Jacob von Breaking Labs startet im Sommer mit einer eigenen SWR-Sendung und Lisa Küppers ist nicht nur als Schauspielerin gefragt, sondern auch “Klick-Millionärin” auf TikTok und Instagram. Ich nenne absichtlich die drei, weil sie zudem dieses Jahr auch als Mentoren beim Creator College NRW am Start sind. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für euren Support, Leute!
Welche drei Dinge zeichnen gute Creators aus?
Talent, Leidenschaft, Beharrlichkeit!
Vielen Dank!

10.03.2021

Bild: Gatzke Media