Eine eigene Comedy-Show: So geht’s zum ZDF

Christian Kleinau | ZDF

„Wild auf der Suche nach kreativen Talenten“: Beim Cologne Comedy Connector gab Development-Redakteur Christian Kleinau Einblick in die Comedy-Arbeit beim ZDF und erklärte, worauf es derzeit bei der Entwicklung ankommt.

Ein eigenes Comedy-Format. Ob als Comedian, Autor*in oder Produzent*in: Für die Akteur*innen der Branche ist es nach wir vor oft ein angestrebtes Ziel, dass ein Fernsehsender die eigenen lustigen Inhalte präsentiert und nicht zuletzt auch finanziert. Doch wie schafft man das – und wie verändern sich derzeit die Anforderungen der Sender, die wie alle mitten in der digitalen Transformation stecken?

COLOGNE COMEDY CONNECTOR

Im COLOGNE COMEDY CONNECTOR, den der CoJokingSpace im vergangenen Oktober gemeinsam mit dem Film Festival Cologne, der ifs internationale Filmschule Köln und der Grimme Akademie veranstaltet hat, gab Christian Kleinau vom ZDF Einblick in seine Arbeit mit lustigen Inhalten, Auswahlkriterien und den Entwicklungsprozess für neue Formate.

Christian Kleinau ist als Creative Editor Teil des Development-Teams der Hauptredaktion Show im ZDF. In der Show-Redaktion sind die Primetime-Formate des Senders ebenso angesiedelt wie die Dauerbrenner „Bares für Rares“, „Fernsehgarten“ und „Markus Lanz“. Im Comedy-Team der Abteilung liegen Erfolgsformate wie „heute show“, „ZDF Magazin“, „Die Anstalt“ und die Instagram-Serie „Aurel Original“ von Funk.

Selbst wenn Christian sich zuweilen auch um lineare Fernsehsendungen kümmert, so liegt ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit auf digitalen Inhalten, die im ZDF – wie auch in vielen anderen Sendern – immer mehr an Bedeutung gewinnen. Neben der Online-Erweiterung von TV-Formaten gehört dazu u.a. die Comedy-Doku-Show „Heroes – Aus dem Leben von Comedians“, die als Mediathek First-Format entwickelt und produziert wurde, sowie der YouTube-Kanal „ZDF Comedy“, auf dem der Sender bestehende Inhalte bündelt und auch exklusiv produzieren lässt.

„Wir sind wild auf der Suche nach jungen, kreativen Talenten, die mit uns gemeinsam Formate entwickeln wollen.“

Für Christian gibt es keine Grenzen mehr zwischen Online-Inhalten und dem, was man klassisch Fernsehen nennt. Die Entwicklung in der HR Show erfolgt aus einem Guss. „Bei uns wird nicht mehr davon gesprochen ‚Wir bringen jemanden ins Fernsehen‘, sondern wir stellen uns die Frage: Wie können wir mit lustigen, humorvollen und satirischen Inhalten auf verschiedenen Plattformen relevanten Content machen, auf dem dann ‚öffentlich-rechtlich‘ draufsteht?“, erklärt er den rund 120 Teilnehmer*innen beim COLOGNE COMEDY CONNECTOR.

Nachdem er neben der Arbeit für die ZDF-Kanäle in den vergangenen Jahren auch mehrere erfolgreiche Formate mit Funk entwickelt und an den Start gebracht hat, ermutigt Christian den Nachwuchs für eine Zusammenarbeit mit dem ZDF: „Wir sind wild auf der Suche nach jungen, kreativen Talenten, die mit uns gemeinsam Formate entwickeln wollen“, sagt er.

Bei Neuentwicklungen unterscheidet er zwischen Formaten, die eine lineare Heimat haben – also nur im klassischen Fernsehen laufen – und Formate, die für das Nicht-Lineare entwickelt werden sowie Social Entertainment auf Instagram, YouTube und Co. Nicht selten greifen die verschiedenen Plattformen und Verbreitungsformen auch ineinander. So zum Beispiel eben auch bei „Heroes – Aus dem Leben von Comedians“.

In den kommenden Monaten und Jahren sollen neue Comedy-Programme vor allem auch in der Mediathek des Senders funktionieren. Sie sollen also den speziellen Interessen und Nutzungsgewohnheiten entgegenkommen, die das Publikum beim „Fernsehen auf Abruf“ umtreiben. Die Leitfrage dabei: „Wie können wir non-linear Formate entwickeln, die auf dieser Plattform funktionieren und nicht unbedingt eine Verbindung zum linearen Fernsehen brauchen?“, erklärt Christian.

So richtet sich „Heroes – aus dem Leben von Comedians“ an speziell diejenigen, die sich für aktuelle Stand Up-Comedy interessieren. Es war aufgrund der Länge von ca. 20 Minuten pro Folge gut „wegzuschauen“ und ließ sich durch die Staffel-Veröffentlichung von Anfang an direkt bingen.

In zweiter Veröffentlichungsstufe wurden einzelne Inhalte der Shows bei YouTube und Instagram veröffentlicht – u.a. bei „ZDF Comedy“. „Hier wenden wir uns an eine Zielgruppe, die wir mit dem linearen Fernsehen nicht mehr erreichen und auch nicht mehr davon ausgehen, dass wir sie dort erreichen können. Das ist aber auch nicht schlimm, weil wir ja auch auf den andere Plattformen unterwegs sind“, so Christian. Die Ausstrahlung der Show im regulären Programm von 3sat war für „Heroes“ dann die dritte Auswertungsstufe.

Während die Produktionsfirma Turbokultur bereits während der Konzeption von „Heroes“ alle Kanäle und Plattformen berücksichtigt hat, gibt es auch Formate, die für eine spezifische Plattform entwickelt werden, so zum Beispiel das Social Entertainment-Format „Aurel Originals“(hergestellt von der Produktionsfirma Steinberger Silberstein), das ausschließlich bei Instagram zu sehen ist und vornehmlich 20 bis 25-jährige erreichen soll.

„Wir denken nicht mehr über Sendeplätze nach, sondern darüber, welche Zielgruppe erreicht werden soll.“

Wer mit Christian ins Gespräch über ein neues Format kommen will, sollte sehr genau wissen, wer auf welchen Wegen erreicht werden soll – und warum die anvisierte Zielgruppe das Programm überhaupt interessant finden könnte.

„Wir denken nicht mehr über Sendeplätze nach, sondern darüber, welche Zielgruppe erreicht werden soll“, erklärt der ZDF-Redakteur. „Wer sind diese Menschen? Wo sind diese Menschen? Welche Bedürfnisse haben diese Menschen und wie können wir mit guten Protagonist*innen für diese Menschen gutes öffentlich-rechtliches Programm machen?“, so Christian weiter.

Seine Warnung an Kreative, die sich eher auf ihren eigenen Geschmack und ein Bauchgefühl verlassen wollen: „Ohne Beschreibung der Zielgruppe und ohne ein klares Verständnis für diese Zielgruppe kommt eine Einreichung bei uns nicht mehr wirklich weit im Prozess.“

Wer weiterkommt, für den lautet die Devise: „Kanalgerecht entwickeln“. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Wenn für Instagram entwickelt wird, muss ein Format hochkant funktionieren. Anschließend geht es um Fragen der Distribution: Wie erreichen die Inhalte die anvisierte Zielgruppe? Wichtiges Schlagwort hierbei: Social Seeding – also Präsenz zeigen in Communities und einen digitalen Audience Flow entwickeln. Auch hierfür ist in der Konzeption ein Verständnis für die Vorgehensweise erforderlich.

Die Hosts der jeweiligen Formate sind dabei mittlerweile mehr als bloße Präsentator*innen. Mit ihren Themen, ihrer Perspektive und ihrer Haltung sind sie der Dreh- und Angelpunkt aller Programmüberlegungen. Daher sollten die Protagonist*innen in die Entwicklung mit einbezogen werden. „Was treibt die Protagonist*innen an, welches Publikum erreichen sie und wie kann man gemeinsam ein cooles Format entwickeln?“, lauten der Ausgangsfragen.

Und welche Inhalte sind für ihn derzeit interessant? „Wir suchen gezielt nach Segmenten, die im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerade noch keine große Rolle spielen“, sagt Christian. „Ganz wichtig ist: Wir wollen keine traditionellen TV-Formate. Wir wollen etwas ausprobieren.“ Entscheidend seien dabei vor allem relevante Themen, die auch gleichzeitig über die Suche auffindbar sind. Der große Bildschirm dabei immer noch wichtig – konkret heißt das: Um die 30 Minuten lang, repertoirefähig, bingefähig – und idealweise wird das Social Media-Spinoff dabei direkt mitgedacht.

23.02.2021

Text: Jochen Voß
Bild: Juliane Guder / Film Festival Cologne

Disclaimer: Der Autor dieses Textes war als Associate Producer an der Produktion von „Heroes ­– Aus dem Leben von Comedians“ beteiligt.